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Hotspot Bericht

Zwei Jahre ohne Plan unterwegs – so geht‘s

Schweiz, 15.01.2018 vonCéline Neuenschwander

Weiterbildung oder Weltreise? Thomas Bardellini hat sich für Letzteres entschieden. Knapp zwei Jahre lang war der heute 29 Jährige unterwegs. Hier verrät Thomas, wie er sich auf das Abenteuer vorbereitete, welche Fehler dass er heute vermeiden würde oder wie er diese ‚Lücke’ im Lebenslauf darstellt. Weitere Reisetipps verrät Thomas auf seinem Blog: www.travelguide.ch .

Hi Thomas! Wo warst du während deiner Weltreise überall und wie lange warst du unterwegs?

Ich bereiste rund 20 Länder während 22 Monaten. Auf meiner Reise war ich im asiatischen, australischen und südamerikanischen Raum unterwegs.

 

Warum hast du dich überhaupt für dieses Abenteuer entschieden?

Ganz einfach: Eine Weltreise zu machen war für mich ein Kindheitstraum, den ich mir erfüllen durfte. Bereits als Kind waren wir mit der Familie oft auf Reisen, doch ich wollte schon immer dieses Freiheitsgefühl einer Weltreise ohne Plan erleben. Und nein, ich lief dabei nicht vor irgend Etwas davon.

 

Wie hast du Versicherungs- und Sicherheitstechnisch vorgesorgt?

Als Erstes habe ich natürlich lange dafür gespart. Ich zog nie von zu Hause aus, stattdessen habe ich möglichst viel auf die Seite gelegt. Ich schaffte es, bis zu 20‘000chf pro Jahr sparen zu können. An zweiter Stelle folgen die Abklärungen mit den Versicherungen, Banken und Behörden. Und ja, dabei war mir Soliswiss auch eine grosse Hilfe. Von Soliswiss erhielt ich unter anderem auch den wertvollen Tipp, die AHV weiter einzuzahlen. Betreffend der Reiseroute habe ich schnell sämtliche Pläne über den Haufen geworfen. Ich kaufte mir ein one-way Ticket nach Bangkok und buchte die ersten drei Nächte im Voraus. Von da an ging die Reise völlig spontan weiter.

 

Wie viel Geld hat dich das gekostet und wie hast du das finanziert?

Insgesamt hat mich die Reise 53‘851chf gekostet. Unterwegs half ich eine Zeit lang einem Hostel in Luang Prabang (Laos Anm. d. R.) aus, indem ich deren Webseite überarbeitete. Dafür erhielt ich kostenlose Kost und Logis. Ansonsten musste ich glücklicherweise nie auf meiner Reise irgendwo arbeiten, sondern konnte von meinem Ersparten leben. Meist basieren solche Anstellungen von Rucksacktouristen auf Schwarzarbeit, dies erschien mir auch zu risikoreich.

 

Bist du auf deinen Reisen auch in brenzlige Situationen geraten?

Das Schlimmste, was mir passierte, waren zwei Paar gestohlene Schuhe. Ansonsten hatte ich eigentlich immer Glück. Die grössten Probleme auf meiner Reise hatte ich aber mit den Schweizer Banken. Nach ungefähr drei Monaten meiner Reise, kündete mir meine damalige Bank sämtliche Konten. Nach zahlreichen Abklärungen mit der Bank und der Schweizer Botschaft, konnten wir schlussendlich eine Lösung finden. Diese Geschichte war mein grösstes Problem auf der Reise.

 

Was hast du am meisten an der Schweiz vermisst und was nicht?

Meine Familie und Freunde habe ich am meisten vermisst und die ganzen sozialen Aktivitäten aus dem eigenen Umkreis, die man dann nur am Rande miterlebt. Das machte die ersten paar Monate auch schwierig. Ausserdem vermisste ich irgendwann das Essen und das unbeschwerte Trinken direkt vom Wasserhahn. Ob ich etwas überhaupt nicht vermisste? Nein, da gibt es wirklich nichts. Ich ging im Guten auf Reisen und lief nicht etwa vor irgend Etwas weg.

 

Wie definierst du Heimat?

Gute Frage! Meine Familie und Freunde bedeuten für mich Heimat. Auf meiner Reise war ich irgendwann so überwältigt von all den Eindrücken, dass ich mir mehr Zeit nahm, langsamer reiste und mich mehr mit dem Ort und den Leuten auseinandersetzte. Und dennoch kam nach einer bestimmten Zeit unterwegs die Frage auf: Was mache ich jetzt? Langsam hatte ich alles gesehen, was ich sehen wollte. Da beschloss ich mich, wieder heim zu kehren. Also zurück zu Familie und Freunden.

 

Wie war deine Wieder Eingliederung ins „normale“ Leben?

Was den Job angeht, so funktionierte alles perfekt. Während meiner Weltreise erhielt ich ein Jobangebot, bei dem ich bereits drei Wochen nach meiner Rückreise anfangen konnte. Doch bis ich wieder richtig „angekommen“ bin, dauerte es etwa ein halbes Jahr. Auf einer Reise verändert sich vieles, insbesondere Du selbst veränderst dich! Ich musste mich wieder an die Strukturen umgewöhnen, und das braucht seine Zeit. Der neue Job hat mir dabei geholfen, mich wieder im „normalen“ Leben zurechtzufinden.

 

Warst du manchmal einsam auf deiner Reise?

Ja klar, es gab immer wieder solche Momente. Beispielsweise in Myanmar erlebte ich öfters einsame Momente und war allein. Man kann nicht erwarten, dass man alleine auf eine Weltreise geht und niemals einsame Situationen erlebt. Wie man dann damit umgeht, ist Typsache. Auch wenn ich mal alleine war, machte ich etwas daraus und hatte eine gute Zeit. Zudem gab es auch Momente, in denen ich mich bewusst von den anderen Backpackern zurückzog.

 

Wann und wieso kam der Entscheid, wieder zurück in die Schweiz zu kommen?

So banal es auch klingen mag: Nach 22 Monaten wollte ich einfach wieder heim. Irgendwann war ich gesättigt von all den schönen Stränden, Wasserfällen und Nationalparks. Für mich war es nicht ein nach Hause Müssen, sondern viel mehr ein Dürfen.

 

Ausbildung, Studium, Praktika – Viele Leute in unserem Alter würden auch gerne auf Reisen gehen, priorisieren jedoch andere Sachen wie Praktika oder Hilfseinsätze. Hast du eigentlich Angst, eine Lücke im Lebenslauf zu haben?

Klar, diese Angst kenne ich. Aber ist es denn wirklich eine Lücke im Lebenslauf? Es kommt doch darauf an, was man daraus macht. Für jemanden, der sich die ganze Zeit über nur betrinkt und feiert, für den ist es wahrscheinlich schon eine Lücke. Wenn jemand sagen kann, er habe während dieser Zeit fremde Kulturen kennen gelernt und ist über sich selber hinausgewachsen, dann ist es das eindeutig nicht. Meine Weltreise weise ich auch ganz klar in meinem Lebenslauf aus. Eine Weltreise ist eine Schule fürs Leben. Wenn eine HR Person das anders sieht, würde ich gar nicht für dieses Unternehmen arbeiten wollen. Ich rate allen, diesen Schritt zu wagen. Und wenn jemand seine Reise als Lebensschule vermarktet, sollte diese Person wirklich keine Probleme mit dieser „Lücke“ haben.

 

Und jetzt, schon wieder neue Reisepläne? Was kommt als nächstes?

Bis jetzt habe ich keine grössere Reise anstehend. Natürlich gehe ich immer noch gerne auf Reisen, doch meinen Weltreisetraum habe ich nun abgehakt, jetzt kommen andere Prioritäten. Das Reisen an sich ist nach all den zahlreichen Trips auch gar keine Herausforderung mehr.

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