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Hotspot Bericht

Rohingya Krise und Unruhen in Myanmar – wie geht es weiter?

Myanmar, 27.11.2017 vonCéline Neuenschwander

Im August erreichten uns erste Meldungen über die massenhafte Flucht der Rohingya Gruppe aus Myanmar ins benachbarte Bangladesch. Die Unruhen in Teilen Myanmars sind nicht neu, bemerkenswert ist der Zeitpunkt der Eskalation. Warum gerade jetzt der Konflikt eskalierte und wer von den Unruhen innerhalb Myanmars profitiert, steht in diesem Hotspot Artikel.

Rohingya heisst die muslimische Minderheitengruppe, die bis anhin im burmesischen Teilstaat Rakhine lebte. In der Vergangenheit kam es immer zu Auseinandersetzungen zwischen Angehörigen der muslimischen Rohingya und der buddhistischen Mehrheit. Die Rohingya hatten dabei einen schweren Stand: Ihnen wurde bis anhin verwehrt sich Niederzulassen oder Land zu besitzen. Ausserdem sind viele Rohingyas staatenlos und werden als illegale Einwanderer klassifiziert.

Letztmals kam es 2012 zu schweren Ausschreitungen im Teilstaat Rakhine. Die religiös und ethnisch aufgeladenen Unruhen richteten sich dabei gegen die Rohingya. Ausgangspunkt war die Ermordung einer Buddhistin, die drei Rohingya Männern angelastet wurde. Infolge dessen wurden 10 Rohingya Männer ermordet. Nach den ersten freien Wahlen 2015 in Myanmar flohen abermals Rohingyas in andere südostasiatische Staaten.

Am 25. August in diesem Jahr erreichte der Konflikt ein neues Ausmass. Nach einem Angriff der Arakan Rohingya Salvation Army ARSA werden ganze Dörfer der Rohingya Minderheit abgebrannt. Gemäss Menschenrechtsorganisationen handelte es sich hierbei um gezielte Angriffe durch die burmesische Armee. Diese behauptet wiederum, nur auf Angriffe von Aufständischen reagiert zu haben.

Ab da begann für die Rohingyas eine neue Welle des Exodus. Rund 580 000 Rohingyas flüchteten seit Ausbruch der Krise ins benachbarte Bangladesch, wo sie oftmals unter desolaten Zuständen in Flüchtlingscamps ausharren. Der Flüchtlingsstrom wird in absehbarer Zeit abnehmen, allein deswegen, weil bald keine Rohingyas mehr in Rakhine leben. Wird sich dadurch die Lage in Myanmar wieder stabilisieren? Dieses Szenario ist leider unwahrscheinlich. Denn hinter den Unruhen in Myanmar stecken noch ganz andere Gründe.

 

Die Interessen der Nachbarstaaten entscheiden auf Kosten von Minderheiten

 

Die Rohingya Krise muss in einem grösseren Kontext gesehen werden, um die dahinterstehenden Interessen besser verstehen zu können. Dabei spielen die beiden einflussreichen Nachbarn Myanmars, China und Indien, eine wichtige Rolle.

Seit Beginn der politischen und wirtschaftlichen Öffnung Myanmars, verliert das nördlich gelegene China stetig an Einfluss. Jahrelang war China Myanmars Haupthandelspartner und übte dadurch Einfluss auf das Land aus. Chinas Hauptinteresse liegt darin, via Myanmar Zugang zum indischen Ozean zu erhalten und sich damit eine sichere Transportroute zu eröffnen. Zusätzlich kann China seine südlichen Gebiete weiter entwickeln. Doch aktuell sinkt Chinas Einfluss auf Myanmar. Grund dafür ist Indien, das immer mehr Beziehungen zu Myanmar aufbaut.

Seit der Öffnung wird auch Indien ein zunehmend wichtiger Partner für Myanmar. Für Indien ist Myanmar von politischer und wirtschaftlicher Bedeutung. Von guten indisch-burmesischen Beziehungen kann Indien die Sicherheit in den Grenzgebieten sichern, aufständische Bewegungen im eigenen Land bändigen und Zugang zu neuen Märkten gewinnen.

Durch die Einmischung in Myanmars innere Angelegenheiten hat China die Möglichkeit, die eigene Position im Nachbarstaat zu stärken. Hier kommt nun der Rohingya Konflikt ins Spiel. Anhand von inneren Unruhen in Myanmar kann China auf das Land Druck ausüben und versuchen, schlussendlich die eigenen Interessen durchzusetzen. Zu diesem Zweck kann China finanzielle Hilfe an die Konfliktparteien übermitteln und die Unruhen mittels falscher Informationen anheizen. Nebst dem Rohingya Konflikt existieren noch weitere Rebellengruppen im Norden Myanmars, die von China mutmasslich finanziell unterstützt werden.

Unter diesen Umständen wird das Kräftemessen und Ringen um Einfluss im südostasiatischen Staat in naher Zukunft weitergehen. Auch wenn der Exodus der Rohingyas in absehbarer Zeit abnehmen wird, ist eine schnelle Entspannung der Sicherheitslage innerhalb Myanmars noch nicht zu erwarten.

 

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