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Hotspot Bericht

Die Jahresanalyse – diese Konflikte erwarten uns 2017

Schweiz, 09.02.2017 von Céline Neuenschwander

Welche Konflikte werden uns in diesem Jahr beschäftigen? Auf diese Frage liefert die Jahresanalyse einleuchtende Antworten. Zudem werden neue Gefahrenzonen aufgedeckt und die Entwicklung laufender Krisen eingeschätzt. Unser Partner, Conias Risk Intelligence, unterstützt die Jahresanalyse mit spannenden Risikokarten zur detaillierten Angabe der Gefahrenstufen.

Welche Krisen erwarten die Welt in diesem Jahr und welche Regionen sind besonders gefährdet? Antworten auf diese Fragen liefert die Jahresanalyse 2017. Darin werden bestehende Konflikte analysiert, deren möglichen Verlauf erklärt und neue Gefahrenzonen aufgezeigt.

Unser Partner, Conias Risk Intelligence, unterstützt die Jahresanalyse mit ihren exklusiven Risikokarten. Diese beziehen sich auf die Intensität von Konflikten und orten sie in eine von fünf Risikokategorien. Dadurch können wir ein detailliertes Bild der Gefahrenstufe abgeben und Unterschiede innerhalb eines Landes aufzeigen. Die beschriebenen Krisenherde stellen keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Bei der Auswahl wurde nebst dem Konfliktpotenzial auf Regionen mit zahlreichen Auslandschweizern oder Reisenden geachtet.

Politische Krisen und Gefahren können in jeder Region eintreten. Wir liefern das Wissen rund um Entwicklungen und politische Risiken weltweit. Als Soliswiss Mitglied profitieren Sie im Krisenfall von professioneller Unterstützung und finanzieller Absicherung. Für nur 60.- pro Jahr sind Sie auf der sicheren Seite!

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Diese Konflikte erwarten uns 2017:

Indien – Die Atommacht im Streit

Indien hat sich in den letzten Jahren wirtschaftlich entwickelt und konnte in den letzten sechs Jahren ein stetig wachsendes BIP erzielen. Doch nicht alle Regionen des asiatischen Staates profitierten gleichermassen vom wirtschaftlichen Fortschritt. Eine Region die seit der Unabhängigkeit Indiens wirtschaftlich benachteiligt worden ist, findet sich im Nordosten. Verschiedene lokale Rebellengruppen verüben regelmässig Anschläge auf Sicherheitskräfte und die Infrastruktur. Die Stadt Kolkata war mehrmals Schauplatz von Anschlägen und gilt als Unterschlupf der Rebellen. Sie streben nach Autonomie und der Abspaltung Indiens. Für Indiens Präsident Narendra Modi steht die Unabhängigkeit des nordöstlichen Gebiets nicht zur Diskussion. Er befürchtet, als Folge davon würden noch mehr Teilgebiete die Autonomie anfordern. Ein weiterer Konflikt findet sich in der Region Chhattisgarh, gekennzeichnet mit Risikolevel 4. Dabei handelt es sich um die Rebellenbewegung der Naxaliten, die auf eine gewaltsame Einführung einer kommunistischen Gesellschaftsordnung abzielen. Sie kämpfen selbsternannt im Namen der indischen Bevölkerung gegen Diskriminierung und Armut.

Eine andere Region, die ebenfalls die Autonomie anstrebt, ist die Kaschmirregion an der Grenze zu Pakistan. Der Kaschmirkonflikt schwelt seit der Unabhängigkeit Indiens und droht in diesem Jahr noch mehr zu eskalieren. Im Jahr 1947 bei der Aufteilung Britisch Indiens in ein hinduistisches Indien und ein muslimisches Pakistan, trat der damalige Maharadscha Kaschmirs, der über eine muslimische Bevölkerung regierte, dem mehrheitlich hinduistischen Indien bei. Pakistan, das die muslimische Bevölkerung der Region vereint, erhob Anspruch auf die Region und besetzte den westlichen Teil Kaschmirs und Indien den östlichen Teil. Seit diesem Moment wird das Kaschmirgebiet umkämpft und ist Schauplatz von Angriffen.

Der Konflikt zwischen Hindus und Muslimen beschränkt sich nicht nur auf die Kaschmirregion. Attentate von beiden Seiten werden oftmals auf öffentlichen Plätzen und Städten verübt, in der Vergangenheit war Mumbai Schauplatz einer Anschlagsserie.  Als Folge auf den machtpolitischen Aufstieg der Hindus unter Präsident Modi und seiner national-hinduistischen Partei BJP, wird die Radikalisierung der Muslime noch mehr vorangetrieben.

Der Kaschmirkonflikt hat an Intensität zugenommen und wird uns in diesem Jahr noch weiter beschäftigen. Seitdem das indische Militär vergangenes Jahr einen pakistanischen Rebell erschossen hat, erreichte die Konfliktsituation ein neues Ausmass. Die pakistanische Terrororganisation Jaish-e-Mohammad (JeM) intensivierte seither ihre Guerillaangriffe auf das indische Militär. Die indischen Streitkräfte erlitten die schwersten Verluste seit 20 Jahren. Pakistan und Indien sind zwei Atommächte und halten sich die Möglichkeit eines nuklearen Erstschlags offen. Einige Stimmen in Präsident Modis Regierung fordern einen verstärkten Militäreinsatz im Kaschmirgebiet, was jedoch einen Atomkrieg nach sich ziehen könnte. Nachzugeben ist für Indien dennoch keine Option, dadurch könnten andere Teilgebiete in ihren Sezessionsbestrebungen gestärkt werden.

 

Venezuela – Nach dem Kollaps der Konflikt

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Venezuelas Wirtschaft ist am Abgrund. Strukturelle Probleme und Misswirtschaft über Jahre hinweg haben zu diesem Desaster geführt. Was erwartet die Bevölkerung in diesem Jahr?

Die katastrophale Lage hat ihren Ursprung in der Amtszeit des vorherigen Präsidenten Hugo Chavez. Sein Plan zielte darauf ab, die Wirtschaft zu kontrollieren und Unternehmen zu verstaatlichen. Gleichzeitig wurde die Exportwirtschaft auf den Verkauf von Erdöl konzentriert, dieser generiert heute 95 Prozent der Exporteinnahmen. Mit diesen Einnahmen finanzierte der ehemalige Präsident Chavez den grossen Staatsapparat und teure Sozialprogramme. Der wirtschaftliche Crash kam mit dem sinkenden Ölpreis: Plötzlich fehlte dem Staat die wichtigste Einnahmequelle. Venezuela muss ein Fass Öl zu einem Bruchteil des Preises verkaufen, der nötig wäre, um das Defizit zu decken. Gleichzeitig fehlt es den Unternehmen an Devisen um Güter einzukaufen und diese weiterzuverarbeiten, die Produktion in Venezuela kam dadurch zum erliegen. Um die Wirtschaft trotz den fehlenden Einnahmen aus dem Ölgeschäft am Laufen zu erhalten, liess die Regierung Geldnoten drucken. Dadurch setzte die Geldentwertung ein, folglich begannen die Preise ins Unermessliche zu steigen und die lokale Bevölkerung kann sich heute zu einem bestimmten Preis immer weniger Nahrung kaufen.

Die Inflation und die fehlenden Einnahmen in Venezuela sind heute so gravierend, dass die Regale in den Supermärkten und Apotheken leer bleiben. Den Händlern fehlt das Geld, um Ware einzukaufen. Es kommt zu Essensrationierungen und Unterernährung in der Bevölkerung. Trotzdem führt Präsident Maduro die teuren Sozialprogramme und den überdimensionalen Staatsapparat weiter. Da die Staatseinnahmen nach wie vor ausbleiben, wird weiterhin Geld gedruckt, die Inflation wird somit noch mehr verstärkt – ein Teufelskreis.

Zu den Wirtschaftsproblemen drohen in diesem Jahr immer mehr politische Unruhen hinzuzukommen. Präsident Maduro liess den Notstand ausrufen und regiert seither per Dekret. Mit dieser Massnahme kann er das Parlament umgehen, in dem seit Kurzem erstmals die Oppositionspartei die Mehrheit besitzt. Mit dieser Regierungsmethode sorgt Maduro bloss für noch mehr Unmut und Widerstand in der Bevölkerung. Es kommt immer mehr zu Demonstrationen und gewaltvollen Protesten in Venezuelas Städten, insbesondere in Caracas und Maracaibo. Demonstranten laufen Gefahr, durch Sicherheitskräfte unterdrückt oder gar beschossen zu werden. Ständig kommt es zu Gewaltausbrüchen in den Städten im Streit um Waren und Nahrungsmittel. Die politische Krise ausgelöst durch die Wirtschaftsprobleme droht weiter zu eskalieren.

Drei mögliche Szenarien zum weiteren Konfliktverlauf in Venezuela: Ein erster möglicher Ausgang sieht vor, dass sich Präsident Maduro, die Regierungspartei und die Oppositionspartei auf den Rücktritt von Präsident Maduro einigen. Es finden Wahlen statt und ein neu gewählter Präsident könnte eine breit abgestützte Regierung bilden und Massnahmen gegen die Krise treffen. Ein anderes Szenarium wäre, dass sich das Militär gegen Maduro wendet und ihn mit Gewalt zum Rücktritt zwingt. Dieser Fall bringt ein hohes Eskalationspotenzial mit sich, das leicht in einem Bürgerkrieg enden kann. Im letzten Szenario muss Maduro auf Druck der Bevölkerung zurücktreten. Die Bürger könnten eine Revolte starten und den Präsidenten mit Gewalt stürzen. Auch in diesem Fall sieht sich das Land mit einer neuen Konfliktwelle konfrontiert. Die letzten beiden Szenarien sind in hohem Masse abhängig von der wirtschaftlichen Entwicklung Venezuelas in den nächsten ein bis zwei Jahren. Ein gewaltsamer Regierungssturz kommt nur in Frage, wenn sich die Wirtschaft weiterhin massiv verschlechtert.

 

Äthiopien – Unruhen zwischen den Ethnien

Äthiopiens Sicherheit wird durch mehrere parallel laufende Konflikte beeinträchtigt. Ausschlaggebend ist der Konflikt zwischen der Regierung und den Angehörigen der Oromo Bevölkerungsgruppe. Nach einem Beschluss der äthiopischen Regierung, die Hauptstadt Addis Ababa auf Gebietskosten der Oromo Bevölkerung zu erweitern, kam es immer wieder zu gewaltvollen Protesten und Ausschreitungen zwischen Regierungstruppen und den Oromo Bürgern. In den vergangenen sechs Monaten steigerte sich der Konflikt auf die höchste Risikostufe. Die Gewaltausbrüche zwischen der Oromo Bevölkerung und der Regierung konzentrieren sich auf das Gebiet mit höchstem Risiko Level südlich und westlich der Städte Adama und Addis Ababa. Der Konflikt wird uns voraussichtlich in diesem Jahr weiter beschäftigen. Grund dafür sind die bewaffneten Oppositionsgruppen, die sich in den letzten Monaten neu formierten und gegen die Regierungsgruppen kämpfen.

Die aktuelle Konfrontation zwischen der Regierung und der Oromo Ethnie ist beispielhaft für Spannungen in Äthiopien. Konfliktlinien verlaufen hier entlang der Bevölkerungsgruppen und davon gibt es einige, denn Äthiopien ist mit seinen 80 Ethnien sehr fragmentiert. Politische Parteien und Entscheidungsträger bevorzugen systematisch bestimmte Ethnien und benachteiligen andere. Ständige Diskriminierung und ungleiche politische Rechte sind Unruheherde und sorgen immer wieder für Gewaltausbrüche. Zu den zwei grössten Aufstandsbewegungen gehören die ONLF (Ogaden National Liberation Front) und die OLF (Oromo Liberation Front). Sie kämpfen beide für mehr Rechte und Freiheiten für ihre Ethnie und üben Anschläge auf das Militär aus.

Ein grosses Sicherheitsrisiko besteht in den Gebieten nahe der nördlichen und östlichen Grenze zu Eritrea und Somalia. Zwischen Eritrea und Äthiopien schwelt seit Jahren ein bewaffneter Konflikt über den Grenzverlauf. Im östlichen Somalia wirkt die terroristische Al Shabaab Miliz, die immer wieder Anschläge verübt. Zunehmends stellt auch die Religionszugehörigkeit der Bürger ein Sicherheitsrisiko dar. Übergriffe auf Muslime in Äthiopien nehmen laufend zu. Grund dafür ist der pauschale Verdacht, Muslime würden mit der islamistischen Al Shabaab Miliz kooperieren. Durch die Instabilität in den Nachbarländern florieren kriminelle Machenschaften, Korruption und Schmuggel – alles Faktoren, welche Äthiopiens Sicherheitsrisiko in den Grenzgebieten negativ beeinflussen.

 

rkei – Düstere Aussichten für das Land am Bosporus

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Die politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen der Türkei gaben in den letzten Monaten immer wieder zu reden. Für die nahe Zukunft wird eine weitere Destabilisierung der Sicherheitslage für die lokale Bevölkerung erwartet.

Eine zentrale Konfliktlinie der Türkei spaltet die Bevölkerung in einen säkular und islamistisch ausgerichteten Teil. Weltlich ausgerichtete Personen sehen sich zunehmend mit religiösen Gesetzen und einer schleichenden Islamisierung konfrontiert, die von Präsident Erdogans Partei AKP veranlasst wird. Nachfolgende Entwicklungen für die Türkei sind mit dem heutigen Wissenstand denkbar:

Einerseits sind weitere Terrorangriffe durch den Islamischen Staat möglich. Seit dem die Türkei aktiv am Syrienkrieg beteiligt ist, hat der IS mehrmals zu Angriffen auf türkischem Boden aufgerufen. Davon betroffen sind insbesondere die Grenzgebiete zu Syrien sowie Ballungszentren und Städte wie Istanbul oder Ankara. Andererseits ist auch eine Intensivierung des Kurdenkonfliktes wahrscheinlich. Terrorangriffe und Kämpfe verübt durch Kurden betreffen insbesondere die südöstlichen Gebiete, die teilweise bereits heute mit einer Risikostufe vier oder fünf konfrontiert sind. Die Kurden wirken im Syrienkonflikt mit und stellen eigene Truppen. Dies bekräftigt sie in ihrem Vorhaben, einen eigenen und autonomen Staat zu rechtfertigen. Hinzu kommt die Möglichkeit einer Neuaufteilung Syriens, die diesem Plan zusätzliche Chancen einräumt. Dies ist auch Erdogan bewusst, weshalb seine Reaktionen immer gewaltvoller ausfallen.

Bei den zunehmenden Sicherheitsrisiken innerhalb der Türkei ist die Rolle des Militärs unklar. Im Juli vergangenes Jahr fand ein Putschversuch gegen Präsident Erdogan statt. Dass es sich dabei um einen Vorstoß aus den unteren Reihen des Militärs handelte, ist möglich. Um die Sicherheit im Land zu gewährleisten, ist ein einheitlich funktionierendes Militär notwendig.

Eine mögliche Entwicklung in diesem Zusammenhang ist ein immer autoritärer Herrscherstil Erdogans. Der Ausnahmezustand nach dem Putschversuch nutzt der Präsident um hart gegen Kurden und politische Gegner vorzugehen. Mehrere tausend Entlassungen und Massenverhaftungen waren die Folge. Zusätzlich leitete der Präsident den Wechsel hin zu einem Präsidialsystem ein, dem in einem Referendum noch das Volk zustimmen muss. Ist dies der Fall, verstärkt sich die Machtkonzentration in Erdogans Händen. Bereits jetzt werden politisch Andersdenkende unterdrückt und freie Medien abgeschafft. Bei einer weiteren Machtkonzentration kann von zusätzliche Repressionen ausgegangen werden. Dadurch erhöht sich das Risikopotenzial grundsätzlich.

Zu den oben genannten Szenarien kommt die sich verschlechternde Wirtschaft hinzu. Die schwindenden Einnahmen aus dem Tourismussektor und die politische Instabilität lassen die ausländischen Investitionen schwinden. Unter all den gegebenen Umständen sieht die nahe Zukunft für die Türkei zunehmend unsicher aus.

 

Jemen Der Krieg, der unbeachtet bleibt

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Im Jemen herrscht seit dem Beginn des arabischen Frühlings 2011 ein Krieg, der in der Öffentlichkeit nahezu unbeachtet bleibt. Der Konfliktursprung entstammt den Aufständen der jemenitischen Bevölkerung gegen den damaligen Präsidenten Abdullah Saleh. Die Bürger forderten seinen Rücktritt und eine Neuverteilung der politischen Macht. Tatsächlich unterzeichnete der heutige Ex-Präsident Saleh eine Vereinbarung, die seinen Rücktritt vorsah sowie die Machtübergabe an einen neu zu wählenden Übergangspräsidenten. In diesem Zusammenhang wurde eine nationale Konferenz gebildet, woran sich alle Parteien beteiligen und das Land neu vereinen sollten. Die politische Bewegung der Huthis wurde jedoch von dieser Konferenz ausgeschlossen.

Die Huthi Bewegung ist seit 2004 in einem Konflikt mit der jemenitischen Regierung. Die Huthis rebellieren gegen die politische Diskriminierung und kämpfen für ihr eigenes Autonomiegebiet. Nachdem die Huthi Bewegung 2011 von den Verhandlungen im Jemen ausgeschlossen wurde, erhielt die Gruppierung immer mehr Zulauf. Die Verhandlungen im Jemen ergaben jedoch nicht wie erwartet eine Neuverteilung der Macht, stattdessen hatten danach immer noch dieselben zwei Parteien das Sagen. Die Übergangsregierung wurde von Mansur Hadi, dem bisherigen Stellvertreter von Saleh, präsidiert. Der versprochene Kampf gegen die Korruption und Verbesserung der humanitären und wirtschaftlichen Bedingungen blieben ebenfalls aus. Als Folge auf den Ausschluss von den Verhandlungen, begannen die Huthi Rebellen Gebiete an der Westküste und an den Grenzen zu Saudi Arabien einzunehmen.

Im Jahr 2014 schlossen die Huthi Rebellen und der vormalige Präsident Saleh eine Allianz und zwangen die Übergangsregierung unter dem Übergangspräsidenten Hadi zum Rücktritt. Der Konflikt zwischen Hadi und den Regierungstruppen gegen die Huthis und Ex-Präsident Saleh eskalierte. Im Frühling 2015 mischte sich Saudi Arabien in den Konflikt im südlichen Nachbarland ein, ebenso der Iran und indirekt die USA. Saudi Arabien sieht in den schiitischen Huthi Bewegung der verlängerte Arm des Erzrivalen Iran, dessen Einfluss im nahen Osten geschwächt werden soll. Das Saudische Militär fliegt deshalb Luftangriffe auf die Huthi Gebiete im Jemen. Die höchste Konfliktstufe findet sich an der Grenze Saudi Arabien und in den Huthi Hochburgen Al Hudaydah oder der umkämpften Stadt Ta’izz. Auch nicht zu unterschätzen ist der Einfluss der Al Qaida und Ansar al-Sharia Bewegung. Beide Gruppen verüben regelmässig Anschläge gegen die Huthis.

Je länger der Konflikt andauert, umso unwahrscheinlicher wird eine friedliche Lösung. Für keinen der beteiligten Akteure ist eine friedliche Beilegung des Konfliktes die beste Option: Präsident Hadi befürchtet bei Friedensverhandlungen sein Amt zu verlieren, die Huthis hingegen erwarten nach den Verhandlungen noch mehr unterdrückt zu werden. Der nördliche Nachbar Saudi Arabien zielt auf einen Sieg gegen die Huthis ab, um ihre regionale Vormachtstellung zu sichern. Dazu kommt die Al Qaida und lokale Dschihadisten Kämpfer, die ein destabilisiertes Jemen vorziehen, um sich darin zurückzuziehen. Nicht zuletzt profitiert auch die USA von der Fortführung des Krieges, denn die Saudis bilden den grössten Abnehmer nordamerikanischer Waffenexporte.

 

Syrien – Verhärtete Fronten lassen kein Kriegsende erhoffen

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Der Krieg in Syrien hat sich im letzten Jahr intensiviert. Unter den aktuellen Umständen sieht die nahe Zukunft für das Land und die verbliebene Bevölkerung noch immer ausweglos aus. Mehrere Kriege werden auf syrischem Boden ausgetragen: Erstens kämpft ein Regime gegen den Aufstand des Volkes, zweitens handelt es sich um einen Bürgerkrieg verschiedener Volksgruppen und drittens kämpfen inzwischen ausländische Mächte in einem Stellvertreterkrieg gegeneinander.

Was den Konflikt so schwierig macht, sind die zahlreichen Kriegsparteien und ihre gegenteiligen Interessen sowie die hohe Konfliktdynamik, die ständig neue Allianzen zum Vorschein bringt. Diese Gegebenheiten machen eine Frontendefinition sehr schwierig. Das syrische Regime mit Präsident Bashar al Assad kämpft für die Wiederherstellung der Herrschaft über das gesamte syrische Gebiet. Zu diesem Zweck wird auch die zivile Bevölkerung bombardiert. Die Freie Syrische Armee auf der anderen Seite kämpft genau für das Gegenteil: den Sturz von Präsident Assad. Unter der Freien Syrischen Armee finden sich generell Regimegegner. Ein anderes Ziel verfolgen die Kämpfer des Islamischen Staates (IS). Ihnen geht es primär um die Errichtung eines eigenen Herrschaftsgebietes nach den Gesetzen der Sharia, von wo aus die gesamte muslimische Welt vereinigt werden soll. Ein weiterer Akteur stellt die kurdische Partei der Demokratischen Union (PYD). Die Anhänger dieser Gruppierung kämpfen im destabilisierten Syrien für einen eigenständigen Kurdenstaat im Norden und Nordosten der Region. Die PYD kämpft insbesondere gegen dschihadistische Gruppen und Anhänger des IS mit der Absicht, Gebietsgewinne für ihren eigenen Staat zu erkämpfen. Eine weitere Gruppe bildet die dschihadistische Nusra Front, ähnlich wie der IS zielt sie auf die Vertreibung und Unterwerfung von Ungläubigen ab. Die Nusra Front gehörte ursprünglich zum Netzwerk der Al Qaida und erstrebt einen globalen Dschihad. Den letzten grossen Machtblock bilden die Rebellengruppen Ahrar al Sham und Jaish al Islam. Sie kämpfen gegen das Assad Regime und wollen ein eigenständiges Autonomiegebiet nach einem muslimischen Weltbild, das jedoch nicht so radikal ausgelegt wird, wie bei den Anhängern des IS.

Die verworrene Situation und unvereinbaren Interessen erschweren eine politische Lösung. Selbst wenn eine solche Lösung beschlossen würde, bleibt zweifelhaft, ob sich alle Kriegsparteien daran halten würden. Durch Eingriffe Russlands, der Türkei und dem Iran in das Kriegsgeschehen fühlen sich bestimmte Gruppierungen bestärkt und zeigen noch weniger Kompromissbereitschaft. Unter diesen Umständen muss in diesem Jahr mit anhaltendem Krieg gerechnet werden.

Ein abreissender Flüchtlingsstrom ist während dem Krieg unwahrscheinlich. Dadurch kann sich der Konflikt auch auf die angrenzenden Nachbarstaaten ausdehnen und diese noch mehr destabilisieren. Gute Bedingungen in den Flüchtlingslagern, eine Schulbildung und Schutz sind notwendig, damit sich der Konflikt nicht weiter ausbreitet und die Nachbarländer gefährdet.

 

 

 

 

 

 

 

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