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Leserbeitrag

Turbulente Tage in Katalonien – ein Soliswiss Mitglied berichtet

Spanien, 07.11.2017 vonCéline Neuenschwander

Die Welt blickt nach Katalonien, der Region im Südosten Spaniens. Das Soliswiss Mitglied P.R. erlebte die Entwicklungen rund um die Abstimmung vor Ort. In diesem Bericht bietet P.R. Einblick in die Tage nach dem Referendum zur Unabhängigkeit, seine Erlebnisse am Brennpunkt und seiner persönlichen Meinung.

Katalonien ist so gross wie die Schweiz und ist aufgeteilt zwischen Frankreich und Spanien.

Leider übermitteln die Medien nur die schlechten Nachrichten, so dass einer denkt, ganz Katalonien stände unter Flammen. Das stimmt so aber nicht. Katalonien hat rund 300’000 Firmen, davon haben etwa 1300 ihren Sozialsitz nach Spanien verlegt. Dies entspricht etwa 0.5 Prozent aller Firmen. Es handelt sich dabei um eine Sozialmigration, die Arbeitsstellen wurden nicht geschlossen. Bei den Wahlen am 1. Oktober hat Spanien, oder besser gesagt der spanische Staat, eine sehr schlechte Seite von sich gezeigt, indem es am 1. Oktober zu gewaltvollen Zusammenstössen zwischen friedliche Wähler und der spanischen Polizei kam. Katalonien hat rund 7.5 Millionen Einwohner, am Tag des Referendums verletzten sich etwa 1000 Personen bei Zusammenstössen mit der Polizei. Die Zusammenstösse waren entsetzlich und miserabel, trotzdem handelte es sich um etwa 0.02 Prozent der total 5 Millionen Wahlberechtigten, die darin verwickelt waren. Katalonien ist ein friedliches Land, die Leute gehen weiterhin Arbeiten, sie gehen zur Schule und machen Geschäfte. Aber Katalonien ist nicht nur Barcelona.

Was Barcelona anbelangt, so ist es auch hier friedlich. Am Hafen steht jedoch ein Kreuzfahrtschiff, worin die spanische Polizei einquartiert ist. Ab und zu fährt die Polizei los und macht Beschlagnahmungen, sie lassen Sirenen aufheulen und verbreiten mit aggressivem Verhalten Angst. Es gibt kleine Zwischenfälle, bei denen die spanische Polizei tätlich gegen Personen vorgeht. Ab und zu gibt es Zwischenfälle in einer Bar oder einem Restaurant. Ziel der Polizei ist es, Angst zu verbreiten. Doch die Leute nehmen das Ganze eher gelassen. Selber habe ich mich immer sicher gefühlt, ausser am Tag des Referendums. An diesem Tag fuhren volle Polizeivans los um die Urnen zu zerstören oder das friedliche Referendum gewaltvoll enden zu lassen. Aus meiner Sicht kann der spanische Staat keine Argumente anbringen, um die Katalaner dazu zu bringen, weiterhin dem spanischen Staat angehören zu wollen. Auch politisch sind die Katalaner den spanischen Politikern um einiges voraus. Also bleibt nur eine Möglichkeit übrig, um die Souveränitätsbewegung zu stoppen, nämlich Angst zu verbreiten.

Die katalanische Regierung hat am 27. Oktober die katalanische Republik deklariert. Doch es fehlt eine schriftliche Deklarierung von Seiten des Parlaments. Ohne diese schriftliche Bestätigung durch das Parlament ist es unklar, ob gegen die katalanischen Politiker juristisch vorgegangen werden kann. Trotzdem geht der spanische Staat gegen katalanische Politiker vor, lassen sie fest nehmen und stecken sie in Untersuchungshaft in Madrid. Nun zwingt der spanische Staat Katalonien zu Regionalwahlen am 21. Dezember. Aber diese Wahl hat so ihre Tricks: es darf sich keine separatistische Partei an der Wahl beteiligen. Es sind ausschliesslich Parteien zugelassen, die dem König Felipe treu sind (Constitucionalistas). Trotzdem ist ein grosser Anteil der Bevölkerung für eine Unabhängigkeit. Wie soll sich das katalanische Volk nun vor diesen Regionalwahlen äussern?

 


Die Antworten widerspiegeln die persönliche Meinung des Soliswiss Mitglieds P.R. und repräsentieren nicht die offiziellen Positionen von Soliswiss.

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