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Von Katalonien bis in die Schweiz mit dem Elektroauto: geht das?

Schweiz, 16.12.2019 vonPatrick Renau

Auslandschweizer und Soliswiss-Mitglied Patrick Renau schildert seine nachhaltige Reise mit dem Elektroauto quer durch Europa.

Hallo, mein Name ist Patrick Renau und bin Auslandschweizer und Ingenieur aus Barcelona (Katalonien). Als der Geschäftsführer von Tesla, Elon Musk, im Jahr 2016 ankündigte, dass er ein Elektroauto für den Mittelstand auf die Strasse bringen würde, entschloss ich mich, mit einer Vorauszahlung von 1000 Euro ein Auto zu reservieren.

Vorher hatte ich einen Renault Kangoo Electrique (Jahrgang 2002). Aber mein erstes gekauftes E-Auto war der zweiplätzige Kewet (mit Bleibatterien), der kaum eine Reichweite von 70 km hatte.

Für mein Tesla Model 3 musste ich 3 lange Jahre warten und gleichzeitig hoffen, dass der Herr Musk sein Verspechen hielt. Im März 2019 bekam ich ein Telefonat von Tesla mit dem Satz “Mr. Renau, your car is here, where is the money?”

Genau am 22. März 2019 erhielt ich das E-Auto in Barcelona und ich muss gestehen, dass ich sehr aufgeregt und nervös war mit den ersten Kilometern, die ich fahren musste vom Tesla-Store in Barcelona bis zu meinem Haus etwa 40 km entfernt.

Diesen Sommer 2019 entschloss ich mich also, meinen alten Diesel Opel Meriva zu Hause zu lassen und mit dem Tesla von Katalonien bis in die Schweiz zu fahren. Das sind knapp über 1.000 km Entfernung und die Hauptfrage war natürlich: ist das machbar?

Die Antwort lautet Ja! Hier meine 7 Gründe dafür:

1) Vor dem Start einer solch langen Reise programmiert man beim Fahrzeug die ganze Strecke. Der Computer schlägt eine Route vor und informiert Sie über die gesamte benötigte Zeit und bis wohin die Batterie ausreicht (gemessen amaktuellen Ladezustand). Dazu wird angezeigt, wo Schnellladestationen von Tesla vorhanden sind und mit welchem Batteriezustand man dort ankommt.

Bildschirm vom Computer des Tesla,der die Strecke zum Voraus berechnet.

2) Die Schnellladestationen von Tesla sind in in ganz Europa zu finden. Die Anlagen sind mit genügend Ladestationen ausgebaut, sodass man fast nie warten muss sondern sofort mit dem Laden beginnen kann. Ausserdem haben die Tesla-Leute die Schnellladestationen an strategischen Strassen- oder Autobahnknotenpunkten positioniert, sodass sie gut und praktisch zu finden sind. Sie haben sie geschickterweise darauf geachtet, dass diese Schnellladestationen nicht an den Autobahnrasttäten sind, sondern ausserhalb. So werden die Stationen besser gebraucht.

Ladestation für Teslas in Valença (Okzitanien, Süd-Frankreich): Viele E-Fahrzeugen beim Laden.

3) Die Ladung dauert zwischen etwa 20 und 40 min, je nach Batteriestand. Die Ladestationen sind an Hotels, Restaurants oder Einkaufszentren angegliedert, sodass man sich in der Zwischenzeit ausruhen, etwas essen oder trinken, oder aufs WC gehen kann. Die Stromladungen sind bei den Ladestationen gratis! Somit hat uns die Reise von Katalonien bis in die Schweiz für die Energie 0 Euro gekostet (!).

4) Die Tesla-Autos haben eine Reichweite von 400 bis 500 km oder mehr. Und es ist doch ganz klar, dass man nach etwa 3 oder 4 Stunden Autofahrt gerne mal eine Pause macht. Also: Die Batteriekapazität (von 75 kWh bis 100 kWh) ist so ausgestaltet, dass man problemlos lange Strecken mit Geschwindigkeiten von über 140 km/h (bis 240 km/h) zurücklegen kann.

Las erste Laden in der Schweiz: Lausanne (VD).

5) Der Tesla, wie alle anderen Elektroautos, kann man auch an einer normalen Steckdose laden. Allerdings braucht man dann natürlich mehrere Stunden, also deutlich länger als bei einer Schnellladung. Aber es gibt überall Steckdosen, die theoretisch genutzt werden können. Zum Beispiel beim Hotel in Vizille (Grenoble) konnten wir laden – und da wir dort übernachteten, war die Batterie am nächsten Morgen wieder voll.

Laden mit einer normalen Steckdose ist auch möglich: Hotel in Vizille (Grenoble, Frankreich).

6) Die Lebensdauer der Teslabatterie beträgt mehr als 8 Jahre (oder 192.000 km). Die typische Frage ist dann: muss ich die Batterie des Autos nach 8 Jahren wechseln? Nein! Tesla hat eine eigene Technologie selbst entwickelt, bei der rund 7.100 kleine Batterienzellen für ein Auto verwendet werden. Was?? 7.100 Batterienzellen!!? Ist Tesla verrückt geworden?? Die normale Automobilbranche nimmt einfach grosse Batterienzellen. Weshalb fährt Tesla mit so vielen Zellen herum? Ganz einfach: die Zellen sind so elektrisch angeschlossen, dass wenn eine kaputt geht, der Strom durch die anderen Zellen weiterfliesst, sodass 7.100 Zellen sterben müssen, damit das Fahrzeug keine Reichweite mehr hat.

Das Geheimnis der Batterien von Tesla: Viele kleine Batterien sind elektrisch parallelgeschaltet. Das ist ein Batteriemodul. In einem Fahrzeug sind mindestents 15 Module dieser Art verarbeitet.

7) Das Fahrgefühl ist wunderbar. Das Auto fährt geräuschlos und der Elektromotor hat immer in der Sekunde die Leistung, die man will. Der Elektromotor ist klein, robust und direkt an die Räder gekoppelt. Ausserdem kann das Fahrzeug beim Runterbeschleunigen oder Herunterfahren Strom erzeugen, der wieder an die Batterie fliesst. Kann das unser lieber alte Verbrennungs-Otto-Motor machen? Nein!

Die Autoreise von Katalonien bis in die Schweiz wurde am 6. August 2019 gemacht. Die Rückkehr nach Barcelona verlief am 20. August 2019 auch problemlos. Hier zum Schluss noch einige interessante Daten der Hinreise.

Reise in die Schweiz am 6.08.2019:

  • Distanz: 1063 km
  • Reisezeit (inklusiv Ladezeit): 11h 50 min
  • Anzahl Ladepausen: 3 (mit eine Dauerzeit von rund 20 bis 40 min)  Energieverbrauch: 180 kWh
  • Energiekosten: 0 Euro (gratis laden bei Supercharging Tesla).

Patrick Renau Meier
Auslandschweizer & Ingenieur aus Barcelona.
renau@volttour.eu

 

 

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