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Die Fünfte Schweiz

Wenn Gold arm macht: Sutters Auswanderung nach Kalifornien

Vereinigte Staaten, 11.06.2019 vonSteven Sohn

Sutter Medical Center. Sutter Middle School. Sutter View Apartments. Wer schon einmal die Strassen der kalifornischen Hauptstadt Sacramento erkundet hat, wird zweifelsohne am Namen «Sutter» kaum vorbeigekommen sein. Was dabei wenige Eidgenossen wissen: dahinter verbirgt sich einer der wohl wichtigsten Schweizer Auswanderer Nordamerikas, Johann August Sutter.

Dieser Johann August Sutter – oder «General Sutter», wie er auch genannt wurde – besiedelte zwischen 1839 und 1848 weitläufige Ländereien im nördlichen Kalifornien, ca. 80 Kilometer vom heutigen San Francisco entfernt. Dort errichtete er ein mächtiges Landwirtschaftsimperium und stieg zu einem der berühmtesten und reichsten Männer Kaliforniens auf. Doch seine Geschichte wurde letztlich zu einem Mahnmal der Vergänglichkeit, denn sein Leben endete in Bitterkeit und Armut. Ausgerechnet ein Goldfund sollte ihn in den Ruin treiben.

Sacramento wie es heute aussieht | Bild: J. Smith @ Wikimedia Commons

 

Flucht nach vorne

Im basellandschaftlichen Rünenberg beheimatet und 1803 im südbadischen Kandern geboren, wuchs der junge Johann August Sutter als Sohn deutscher Eltern in der Dreiländerregion bei Basel auf. Seine Familie hatte sich einen Namen als wohlhabende Besitzer von Papierfabriken und Druckereien gemacht. In dieser Tradition absolvierte auch der junge Sutter eine kaufmännische Lehre in einer Druckerei und Verlagsbuchhandlung in Basel, bevor er ins bernerische Burgdorf zog, um seine eigene Firma zu gründen.

Dieses Unterfangen sollte jedoch nicht von Erfolg gekrönt sein. Als der Konkurs vor der Tür stand und Sutter zudem von den Schweizer Behörden im Zusammenhang mit einem Betrug gesucht wurde, liess er nebst seiner Heimat auch Frau und Kinder zurück. Erst nach mehreren Jahren würden sie sich wieder in die Arme schliessen können – am anderen Ende der Welt.

 

Geburt eines Imperiums

Denn Sutter verliess nicht nur die Schweiz, sondern gleich den Kontinent. 1834 landete er Seite an Seite mit unzähligen anderen Immigranten im Hafen New Yorks, voller Tatendrang und Hoffnung auf ein besseres Leben. In den darauffolgenden Jahren würde Sutter weiter gen Westen ziehen, mit Zwischenstopps unter anderem in St. Louis (Missouri), Hawaii und sogar Russland.

1839 fand seine Odyssee schliesslich ein Ende: Sutter erblickte das noch relativ unberührte Sacramento Valley im damals noch mexikanischen Kalifornien. Sutter erkannte sogleich das landwirtschaftliche Potenzial des Gebietes, das sich in der Tat als fruchtbares und ertragreiches Agrarland erweisen sollte. Die Regierung verlieh ihm die Bodenrechte für dortige Ländereien von etwa der Grösse des Kantons Appenzell Innerrhoden.

1839 vertrieb er im Namen der mexikanischen Regierung die ansässigen Indianer und liess das Sutter’s Fort errichten. Dieses sollte zum Herzstück seiner Kolonie werden, die er Neu-Helvetien («New Helvetia») taufte. Es war eine imposante Festung, umringt von 1 Meter dicken und 5 Meter hohen Wällen, beschützt von mächtigen Kanonen.

 

Siegeszug Neu-Helvetiens

In den folgenden Monaten und Jahren baute Sutter ein wahrhaftiges Handels- und Landwirtschaftsimperium auf. Rund 20’000 Stück Rindvieh, 2’500 Pferde, 2’000 Schafe sowie 1’000 Schweine bevölkerten bald schon seinen Grundbesitz. Er liess die Saat von Früchten aus Europa einschiffen und baute diese auf Grossplantagen an. Mühlen, Brennereien, Wohnhäuser schossen aus dem Boden. Durch Zukäufe russischer Kolonien verdreifachte er sein Herrschaftsgebiet, und so wuchs auch die Bevölkerung stetig: 1848 lebten bereits rund 14’000 SiedlerInnen in Neu-Helvetien.

Es war eine Erfolgsgeschichte sondergleichen. Ruhm, Ehre und natürlich Wohlstand schwangen alsbald mit dem Namen Sutter mit, und seine Bekanntheit strahlte weit über das Sacramento Valley hinaus. Sutters Vormarsch schien unaufhaltsam.

Auch der Mexikanisch-Amerikanische Krieg von 1846-1848, im Nachgang dessen Mexiko sowohl Kalifornien als auch Texas an die USA abtreten musste, konnte seinen Aufstieg nicht stoppen. Neu-Helvetien fiel zwar ebenfalls an die USA, doch Sutter gelang es, zum US-Bürger zu werden und seinen Einfluss aufrechtzuerhalten. Er war sogar Mitunterzeichner der neuen kalifornischen Verfassung.

 

Golden schimmernder Untergang

Was Sutter schliesslich zu Fall brachte, war die grausame Ironie des Schicksals: 1848 wurde in Neu-Helvetien haufenweise Gold entdeckt. Ein Glücksfall, würde man meinen – Sutter sollte dadurch eigentlich nur noch reicher werden. Die Nachricht fegte in Windeseile über die gesamten Vereinigten Staaten hinweg – und sollte Verheissung mit sich bringen.

Tatsächlich war es dieser Goldfund auf Sutters Grund und Boden, der den berühmt-berüchtigten Goldrausch auslöste. Innert kürzester Zeit strömten Abertausende von Goldsuchenden aus aller Welt nach Neu-Helvetien. Nur ein Jahr nach dem Goldfund verzehnfachte sich die Bevölkerung auf rund 100’000, drei Jahre später waren es gar 250’000. Was anfänglich noch ein gutes Geschäft für Sutter war, entpuppte sich bald als Katastrophe.

Im Rausch des Goldes missachteten die Goldgräber die Eigentumsrechte Sutters. Sie nahmen sich alles Gold, das sie fanden, besetzten oder zerstörten seine Besitztümer – egal ob Gebäude, Geräte oder Vieh. Doch damit nicht genug: kurzerhand liefen ihm gar seine eigenen Angestellten und Soldaten davon, zu gross war die glänzende Versuchung des Edelmetalls und die Aussicht auf schnellen Reichtum.

Und so verfiel sein Reich. Auch das einst prächtige Sutter’s Fort glich nicht einmal 10 Jahre nach seiner Fertigstellung einer Ruine. Verzweifelt versuchte Sutter noch zu retten, was er konnte – doch vergebens. Wo unbändige Gier herrscht, gelten Recht und Ordnung nichts mehr. Angesichts steigender Schulden sah sich Sutter gezwungen, seine Grundstücke und letztlich auch sein geliebtes Fort zu verkaufen. Sutter war ruiniert.

Sein restliches Leben würde vom Kampf um Gerechtigkeit dominiert: er versuchte bis an sein Lebensende, vom Staat eine Entschädigung für den Verlust seines Hab und Gutes zu erreichen – jedoch mit wenig Erfolg. 1880 starb er schliesslich in Washington, D.C., gerade als sich der amerikanische Kongress mit seinem Fall auseinandersetzte.

 

Sutters Erbe

Dennoch erinnert auch heute noch vieles an Sutter. Sein bewegtes Leben wurde in zahlreichen Büchern behandelt und diente als Inspiration für Spielfilme (z.B. «Der Kaiser von Kalifornien»). Sogar der Schweizer Alpenrocker Polo Hofer besang Sutters Schicksal in seinem 2001 veröffentlichten Musikstück «Alles Gold vo Kalifornie».

Sutters Erbe wird auch in dem von ihm gegründeten Sacramento noch immer hochgehalten: Sutter’s Fort wurde bereits in den 1890ern wiederhergestellt und ist heute das älteste rekonstruierte Fort in den ganzen USA. Mittlerweile ist es ein beliebtes Museum mit einer Strahlkraft über den Norden Kaliforniens hinaus. So hat Sutter trotz seines tragischen Endes doch noch ein Stück Unsterblichkeit erlangt.

Sutter’s Fort damals und heute | Bilder: J. H. Richardson (l.), Chris Krylov (r.) @ Wikimedia Commons

 

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