Auf Reisen läuft nicht immer alles nach Plan...Darum haben wir einen Plan b! Als Soliswiss Mitglied bist du im Ausland und in deinem Wohnland automatisch vor politischen Risiken geschützt.Mehr erfahren
Fachartikel

Money Matters: als Auslandschweizer/in ein Bankkonto in der Schweiz?

Weltweit, 22.09.2020 vonSteven Sohn

Auch nach der Auswanderung benötigen viele Schweizer/innen weiterhin eine Kontoverbindung in der Schweiz. Nicht alle Banken bieten jedoch Lösungen für Auslandschweizer/innen an - und falls doch, ist dies oft mit hohen Gebühren verbunden. Umso wichtiger ist es also, sich gut zu informieren. Wir zeigen Ihnen, mit welchen Fragen Sie vor der Auswanderung an Ihre Bank herantreten sollten.

Auch nach der Auswanderung sind viele Auslandschweizer/innen auf eine Kontoverbindung in der Schweiz angewiesen. So setzen zum Beispiel gewisse Schweizer Krankenkassen und Vorsorgeeinrichtungen der 2. Säule ein Bankkonto in der Schweiz voraus, um entsprechende Beiträge zu überweisen. Andere Auslandschweizer/innen besitzen in der alten Heimat Immobilien und sind wegen der damit verbundenen Hypothek auf ein Schweizer Konto angewiesen. Und wieder andere müssen aufgrund der gesetzlichen Bestimmungen des Auswanderungslandes ein gewisses Einkommen und/oder Vermögen nachweisen können, um sich dort überhaupt dauerhaft niederlassen sowie ein lokales Bankkonto eröffnen zu können. Und schliesslich gibt es jene, die einfach zur Sicherheit ihr Geld in der stabilen Schweiz parkieren wollen, insbesondere wenn sie in potentiell instabile Staaten auswandern.

Allerdings kann es für Auslandschweizer/innen herausfordernd sein, ein Konto in der Schweiz zu halten oder erst noch zu eröffnen. Uns berichten immer wieder ausgewanderte Schweizer/innen, dass ihre Bank die Gebühren für das Konto massiv erhöht oder es schlichtweg aufgekündigt hat. Andere wiederum bekunden grosse Mühen, vom Ausland auf ihr Geld zuzugreifen und es zu verwalten. Im Vergleich zu Inlandschweizer/innen werden Auslandschweizer/innen also in gewissen Situationen einige Steine in den Weg gelegt.

Das grosse Problem: für Schweizer Banken ist es mitunter kaum attraktiv, Auslandschweizer/innen in ihren Kundenkreis aufzunehmen. Dies liegt in erster Linie an den immer strikteren nationalen und internationalen Regulierungen, z.B. im Zusammenhang mit der Bekämpfung von Geldwäscherei oder Steuerhinterziehung. Die Banken müssen in diesen Bereichen hohe Compliance-Standards einhalten, was mit Kosten und Risiken verbunden ist. Deswegen haben sich viele Banken entschieden, ihre Dienstleistungen für Auslandschweizer/innen (und ganz generell Personen mit Wohnsitz im Ausland) nur eingeschränkt oder gar nicht zugänglich zu machen – oder eben happige Gebühren zu verlangen.

Der Leistungsumfang sowie die Gebühren variieren dabei von Bank zu Bank. Es lohnt sich daher, sich die Zeit zu nehmen und die Angebote unterschiedlicher Geldhäuser zu studieren. Dabei sollten sie insbesondere auf folgende Kernfragen achten:

 

Ist es überhaupt möglich, ein Konto als Auslandschweizer/in zu haben?

Dies hängt sehr stark von der jeweiligen Bank ab. Einige wenige Banken verlangen beispielsweise zwingend, dass ihre Kundinnen und Kunden den Wohnsitz in der Schweiz haben. Bei bestehender Kundenbeziehung müssten Sie daher im Falle einer Auswanderung – bei der Sie per Definition Ihren Schweizer Wohnsitz aufgeben – auch Ihr Konto bei dieser Bank kündigen und sich eine andere suchen. Wenn Sie hingegen bereits ausgewandert sind, werden Sie als Auslandschweizer/in bei dieser Bank entsprechend gar nicht erst ein Konto eröffnen können.

Andere Banken lehnen Auslandschweizer/innen nicht rundherum ab, beschränken sich aber auf bestimmte Staaten – oftmals handelt es sich dabei um die unmittelbaren Nachbarländer der Schweiz (Deutschland, Österreich, Italien, Frankreich) oder EU-/EFTA-Staaten. Wenn Sie in ein solches Land auswandern, können Sie bei solchen Banken also grundsätzlich Ihr Konto behalten bzw. eines eröffnen.

Bei einer eher geringen Zahl von Banken können Sie schliesslich ein Konto auch bei einer Auswanderung in ein Land ausserhalb von Europa beibehalten bzw. eröffnen. Aber Achtung: auch hier gibt es Länder, die vielmals problematisch sind. Besonders schwierig haben es zum Beispiel Auslandschweizer/innen mit Wohnsitz in den USA – hier sind Schweizer Banken allgemein sehr zurückhaltend, sodass oft kein Konto eröffnet bzw. behalten werden kann. Auch bei Wohnsitz in einem Land, das sich auf einer Sanktionsliste befindet, stehen die Chancen auf ein Konto in der Schweiz schlecht.

 

Was für ein Konto brauche ich wirklich?

Der Leistungsumfang der Banken kann auch in Bezug auf die Kontoart stark variieren. Es ist beispielsweise nicht bei allen Instituten und nicht für alle Länder möglich, ein Wertschriftendepot zu eröffnen, wodurch auch der Zugang zu Lombardkrediten verwehrt bleiben kann. Auch das Vorsorgekonto fehlt häufig im Leistungskatalog für Auslandschweizer/innen.

Gleichzeitig kann die Art des Kontos auch einen Einfluss auf die Gebühren haben. Manche Banken bieten zum Beispiel auch Auslandschweizer/innen ein gratis Sparkonto an, wohingegen ein Privatkonto kostenpflichtig ist. Wenn Sie lediglich Ihr Geld in der Schweiz parkieren möchten, sollten Sie sich somit für ein Sparkonto entscheiden.

Machen Sie sich also idealerweise bereits vor der Kontaktaufnahme mit Ihrer Bank Gedanken darüber, welche Bedürfnisse Sie genau haben. Dadurch lässt sich unter Umständen nicht nur Geld, sondern auch die eine oder andere böse Überraschung sparen.

 

Muss ich in der Schweiz präsent sein, um ein Konto zu eröffnen?

In der Tat setzen viele Banken für die Eröffnung eines neuen Kontos Ihr Erscheinen am Schalter in einer ihrer Schweizer Filialen voraus. Auch hier geht es unter anderem wiederum um die Bekämpfung der Geldwäscherei und anderer krimineller Unterfangen: die Institute müssen gemäss dem Know-Your-Customer-Prinzip diverse Angaben überprüfen können, für die Sie präsent sein müssen. In diesem Sinne müssen Sie auch vor Ort den Vertrag mit der Bank unterzeichnen – Sie können also Ihre Unterschrift nicht via Botschaft oder Konsulat beglaubigen lassen. Ebenfalls entfällt, mit gewissen Ausnahmen, grundsätzlich die Möglichkeit, ein Konto online zu eröffnen.

 

Weder e-Banking noch Kreditkarten sind bei allen Banken für Auslandschweizer/innen zugänglich. | Bild: Rupixen @ unsplash.com

 

Welche Gebühren werden erhoben?

Allgemein gilt: als Auslandschweizer/in müssen Sie für ein Schweizer Konto mitunter deutlich höhere Gebühren für die Kontoführung berappen als Inlandschweizer/innen. Je nach Auswanderungsland können sich diese Zusatzkosten gar auf mehrere hundert Franken pro Monat oder Jahr belaufen, wobei Auslandschweizer/innen mit Wohnsitz in Deutschland, Österreich, Italien oder Frankreich in der Regel verhältnismässig günstiger fahren – insbesondere im Vergleich zu Auslandschweizer/innen, die ausserhalb von Europa leben.

Einige Banken erlassen übrigens gewissen Kundengruppen die Zusatzgebühren, z.B. besonders vermögenden Auslandschweizer/innen oder Jugendlichen. Auch bei bestimmten Kontotypen (z.B. Vorsorgekonto) kann dies der Fall sein.

 

Funktioniert das e-Banking im Ausland?

E-Banking ist heutzutage für viele Menschen zur Selbstverständlichkeit geworden. Auch für Auslandschweizer/innen bieten zahlreiche Geldhäuser mittlerweile Lösungen an – jedoch kann es auch hier zu gewissen Einschränkungen kommen. Einige Banken schliessen zum Beispiel Auslandschweizer/innen mit Wohnsitz in bestimmten Ländern kategorisch vom e-Banking aus, während andere Institute den Leistungsumfang lediglich beschränken (z.B. Verbot des Handelns oder der Verwaltung von Wertschriften). Bevor Sie sich also für eine Bank entscheiden, sollten Sie die Frage des e-Bankings – sofern dies für Sie relevant ist – im Detail geklärt haben.

 

Wie sieht es mit Kreditkarten aus?

Um im Auswanderungsland unkompliziert Zahlungen abwickeln oder Bargeld abheben zu können, ist es von grossem Vorteil, mit einer Kreditkarte ausgerüstet zu sein. Dies ist allerdings nicht immer möglich und hängt ebenfalls von Ihrer Bank ab. Sollten Sie jedoch zu den Glücklichen gehören, die eine Kreditkarte für Ihr Schweizer Konto erhalten können, sollten Sie sich zuerst gut über die Konditionen erkundigen. Gerade beim Beziehen von Bargeld im Ausland oder in der Schweiz können schnell mal hohe Gebühren anfallen, ebenso bei Zahlungen an Kreditkartenterminals. Alternativ könnten in diesem Zusammenhang Prepaid-Kreditkarten interessant sein – auch hier gilt somit: ein Gebührenvergleich lohnt sich.

 

Fazit: Zeit ist Geld – aber Geduld zahlt sich auch aus

Sie sehen: es gibt viele Aspekte zu beachten, wenn Sie als Auslandschweizer/in ein Konto bei einer Schweizer Bank halten oder eröffnen möchten. Ähnlich sieht es übrigens beim Thema Hypotheken aus – dazu mehr in einem künftigen Artikel.

Wenn Sie noch vor der Auswanderung stehen und Ihr Konto bei einer Schweizer Bank haben, das Sie gerne behalten möchten, sollten Sie sie also möglichst früh mit den oben genannten Fragen kontaktieren. Machen Sie sich Gedanken darüber, welche spezifischen Bedürfnisse und Erwartungen Sie haben und fragen Sie Ihrer Bank über diese Punkte Löcher in den Bauch, und zwar mit Blick auf Ihr Auswanderungsland. Es kann zudem sinnvoll sein, das Angebot mit jenem anderer Geldhäuser zu vergleichen und allenfalls einen Wechsel anzustreben. Nehmen Sie sich diese Zeit, es lohnt sich.

 

Die gute Nachricht zum Schluss: Ein Bankkonto in der Schweiz muss nicht immer exzessiv teuer sein. Wenn Sie Fragen diesbezüglich haben, können Sie uns ungeniert kontaktieren. Wir geben Ihnen auch gerne Tipps, bei welchen Banken sich eine Nachfrage besonders lohnt.

 

 

Hotspot Weltweit

Hotspot Bericht

Mit der Kamera an die Kriegsfront

18.05.2018vonCéline Neuenschwander

Wenn er gerade nicht unterrichtet, dann reist Alex Kühni in den Krieg. Als Kriegsjournalist dokumentiert er die Konflikte dieser Welt. Sein Ziel dabei: Das Bewusstsein der Menschen in den westlichen Ländern schärfen. Zu diesem Zweck gibt er sich oftmals selbst in Lebensgefahr. Für seine Arbeit gewann Kühni den diesjährigen Swiss Press Photo Award der Kategorie Ausland. Ein Interview über ein Leben zwischen Klassenzimmer und Kriegsfront.

Findest du diesen Beitrag hilfreich?